Feine Sahne Fischfilet ist die Band der Stunde, wenn es um soziales und humanitäres Engagement geht. Die Jungs leben ihre Überzeugung und verarbeiten alles zu Musik. Eigentlich sollten sie ein Konzert im Zuge der ZDF@Bauhaus Sendung im Bauhaus Dessau spielen. Das lehnte das Museum ab. Hier kam wieder etwas ins Rollen, welches der Band mehr bestätigt. Wir haben mit Christoph Sell, dem Gitarristen der Band telefoniert und über die aktuelle Situation, sowie über ihre anstehende Tour “Alles auf Rausch” gesprochen.

Monchi von Feine Sahne Fischfilet bei #wirsindmehr in Chemnitz (Foto: Peter Ohnacker © Blogrebellen)

Sturm & Dreck ist seit Anfang des Jahres draußen. Das Album stieg in den Deutschen Album-Charts auf Rang drei ein. Hattet ihr damit gerechnet, dass die Platte so einschlägt?

Ne. Wir rechnen mit so vielen Dingen nicht. Wir schauen immer worauf wir Bock haben. Natürlich hat man als Band dann Lust ein Album aufzunehmen. Wir haben lange Zeit Texte gesammelt und über die Dinge geschrieben, die wir erlebt haben. Das zeichnet uns als Band auch aus. Wenn ich mir Sturm & Dreck nochmal anhöre, freue ich mich darüber, wie es klingt und was daraus geworden ist. Inhaltlich ist es wie ein Tagebuch der letzten eineinhalb Jahre. Da sind politische und persönliche Erlebnisse von Monchi, mir und der gesamten Band drin.

Ganz pathetisch gesagt, sind wir unserem Herzen gefolgt und haben das gemacht, worauf wir Bock hatten. Vielleicht ist das der Schlüssel zum Erfolg.

Ihr seid ja irgendwie mehr als eine Band, oder?

Jaein. Es ist nicht unheimlich schwer, was wir machen. Wir kochen auch nur mit Wasser. Wir stecken nur gerne auch unsere Energie in soziale Kulturkampagnen. Wir stärken vor allem Menschen im ländlichen Raum, die sich gegen Nazis stellen und zeigen, dass wir eine Gesellschaft ohne Rassismus cool finden. Eigentlich ist das nicht so schwer. Wenn es mehr Bands gäbe, die das auch machen würden, wären wir nicht mehr als eine Band.

Stichwort Politik. Linke Punk-Band, das ließt man oft, wenn News-Seiten und Zeitungen über euch schreiben. Auch die Sache mit dem Verfassungsschutz heftet euch noch immer an. Politiker nehmen das gerne als Argument gegen euch in den Mund. Nervt euch das?

Ja das nervt. Seitdem es uns gibt, sind wir daran gewohnt, dass Kanonen auf uns gerichtet werden. Wir wissen aber auch, wie wir diese zurückdrehen – und dass mit einem zwinkernden Auge.

Gerade mit dieser Verfassungsschutzgeschichte war es sehr nervig. Im ländlichen Bereich distanzierten sich Konzertveranstalter, weil es ihnen zu heiß war mit uns was zu machen.  Das ist ja schon ein paar Jahre her, als wir diese Geschichte am Hals hatten und damals waren wir eine kleinere Band. Die Sache hatte uns Steine in den Weg gelegt.

Das dient ja dazu, um uns zu kriminalisieren. Wir wurden im VS-Bericht mit Nazis gleich gesetzt, was totaler Quatsch ist, wir stehen ja komplett für das Gegenteil von dem. Wir haben kein Bock auf Faschismus, wir haben kein Bock auf Homophobie. Wir wollen eine Gesellschaft, die auf Demokratie und Mitbestimmung aufgebaut ist.

Konservativen und Rechten Parteien ist das ein Dorn im Auge, gerade bei solchen Sozialprojekten, die sich gegen sie richten und wir geraten da ins Visier.

Man konnte das aber auch sehr gut umdrehen: Der VS hatte über uns sehr viel geschrieben und uns kriminalisiert. Die Argumente waren total bescheuert, die sie gegen uns verwendet haben. Unter anderem ein Satire-Plakat, welches so „Titanic-Style“ hatte, das wir geteilt haben, wurde gegen uns verwendet.

Auf der anderen Seite haben sie über Neo-Nazi-Bands, die es zuhauf in Mecklenburg Vorpommern gibt und denen krasse Nazistrukturen nachgewiesen werden können, ebenso über den NSU, nur ein bis zwei Sätzen geschrieben. Gerade der NSU wurde vom VS strukturell mitfinanziert. Das ist bewiesen. Der NSU hat in Rostock Mehmet Turgut umgebracht, Banküberfalle gemacht und sich bei ihren Nazifreunden ausgeruht.

Und da haben die nix Besseres zutun, als eine linke Punk-Band zu kriminalisieren. Das ist eine Behörde, von der wir letztendlich auch nicht gemocht werden wollen, weil die anscheinend von Leuten betrieben wird, die politisch klar rechts sind.

Wir dachten uns nur: danke für die Promo. Wir sind ja anscheinend eine gefährlich Punk-Band, damit können wir als Image ganz gut leben.

 

Christoph Sell (2014) von Feine Sahne Fischfilet. Von © Markus Felix (talk to me) – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link

Die Bauhaus-Pressesprecherin wurde freigestellt. Sie habe nicht richtig kommuniziert. Der CDU Politiker und Kulturminister Rainer Robra meldete sich auch zu Wort. Man wolle einen Clash vor dem Bauhaus, dass ja ein Weltkulturerbe ist, verhindern. Ist man hier vor den Rechten eingeknickt?

Die Stiftung des Bauhauses wird von der Mehrheit des Landtages gestellt. Was bedeutet, dass wenn die Leute in Sachsen-Anhalt eher rechts und konservativ wählen, dann sind da auch eher Rechte und Konservative in diesem Ausschuss, die sich gegen uns aussprechen. Zudem treten sie die Geschichte des Bauhauses mit den Füßen. Dieses Bauhaus hat eine klare linke und antifaschistische Geschichte. Von den Nazis in den 30er Jahren kriminalisiert und verfolgt, da sie als entartete Kunst galten, musste das Bauhaus schließen. Die Künstler*innen wurden verfolgt und in KZ’s gesteckt, wurden ermordet oder mussten ins Exil flüchten. Mit dieser Geschichte hatten sie gesagt, eine linke Punk-Band darf hier nicht spielen. Das ZDF hat sich da auch klar auf unsere Seite gestellt und will weiterhin mit uns das Konzert veranstalten. Damit entlarvt sich hier ein klarer Rechtsruck in der Gesellschaft dort vor Ort.

Man kann doch nicht davor einknicken, dass Rechtsradikale da eventuell aufmarschieren könnten. Und auch die Angst, dass da die Tapete kaputt geht. Wobei schon dort über hundert Bands gespeilt haben und es war alles kein Problem. Das ZDF@Bauahus gibt es schon so lange und da war die Tapete bestimmt bisher kein Thema gewesen. Wir hätten da ein ganz normales und cooles Konzert gespielt.

Mir tut es ja auch schon fast etwas leid, dass die Pressesprecherin freigestellt wurde und ihren Kopf hinhalten musste. Da gibt es genug andere CDU-Säcke, die da mit drin stecken und die eher hätten gehen sollen.

Gefühlt seid ihr ja das ganze Jahr schon auf Tour. Nach der Festival-Saison wolltet ihr eigentlich Urlaub machen, da kam dann doch das mit Bauhaus dazwischen und wurde größer als erwartet. Habt ihr gerade viele Baustellen?

Ja. Wir sind sechs Leute, die neben der Musik viele kreative Ideen haben und ein tolles Netzwerk, mit dem wir vieles umsetzen können. Da kann es schon passieren, dass sich ein Projekt an das nächste reiht. Bei der Sache mit dem Bauhaus haben wir das Gefühl, dass es an allen Ecken knallt und wir reagieren müssen.

Aber es ist auch schön zu sehen, dass sich die Sache mit dem Bauhaus so geklärt hat, dass wir jetzt im Brauhaus spielen, wo mehr Menschen reinpassen und es auch ein voll schöner Laden ist. Jetzt ist auch unser Konzert in der Mitsubishi Electric Halle komplett ausverkauft. Dann wiederum spielen wir unseren Tourauftakt in Brandenburg an der Havel in einem kleinen Club. Das ist schon schön diese Facetten drin zu haben und neben größeren Hallen immer wieder auch im ländlichen Raum kleine Clubkonzerte zu spielen. Aber ja, da sind einige Baustellen, das stresst auch ganz viel. Aber wir bewahren dennoch einen kühlen Kopf. Gerade weil wir das tolle Netzwerk um uns haben, unsere Familie, unser Label und unsere Crew. Die unterstützen uns sehr und wir können dann auch wieder ganz viel Kraft auftanken.

Monchi & Jacobus North von Feine Sahne Fischfilet mit Niloufar bei unserem vorherigen Interview zu “Sturm & Dreck”.

Bleibt noch Zeit, um in den Proberaum oder ins Studio zu gehen, um auf eine neue Platte hinzuarbeiten?

Ja. Muss! Wenn das nicht der Fall ist, dann ist unser Hauptziel komplett verfehlt. Natürlich gehören für unsere Musik auch politische Inhalte mit dazu, weil das ein Teil von unserem Leben ist. In allererster Linie sind wir aber eine Band, die es liebt Musik zu machen. Auch wenn wir gerade, wenn wir wieder viel Touren, werden wir Anfang nächsten Jahres wieder in den Proberaum gehen und das erlebte wieder die neue Musik packen.

Also könnte es 2019/2020 wieder ein neues Album geben?

Ne. Das dauert noch ein bisschen. Man muss sich auch ein wenig Pause lassen, damit was Neues entstehen kann. Wir wollen kein Sturm & Dreck II machen. Wir wollen eine neue Platte mit neuen Themen machen. Dafür brauchen wir etwas Zeit, um alles sacken zu lassen. Wenn da zwei bis drei Jahre dazwischen liegen, bis zur nächsten Platte, dann ist das eine sinnvolle Zeitspanne, die dazwischen liegt.

 

 

Tourdaten Feine Sahne Fishfilet 2018/2019:

  • 06.11.2018 Dessau, Brauhaus (Ausverkauft)
  • 08.11.2018 Brandenburg a.d.Havel, Haus der Offiziere (Ausverkauft)
  • 09.11.2018 Saalfeld, Klubhaus der Jugend (Ausverkauft)
  • 10.11.2018 Plauen, Alte Kaffeerösterei (Ausverkauft)
  • 15.11.2018 Chemnitz, AJZ Talschock (Ausverkauft)
  • 16.11.2018 Ulm, ROXY (Ausverkauft)
  • 17.11.2018 CH-Bern, Große Halle / Dachstock (Hochverlegt)
  • 22.11.2108 Trier, Europahalle (Zusatzshow)
  • 23.11.2018 Trier, Europahalle (Ausverkauft)
  • 24.11.2018 Stuttgart, Porsche Arena (Hochverlegt)
  • 29.11.2018 Kiel, Halle400 (Zusatzkonzert)
  • 30.11.2018 Kiel, Halle400 (Ausverkauft)
  • 01.12.2018 Dresden, Alter Schlachthof (Ausverkauft)
  • 06.12.2018 Kassel, 130bpm (Ausverkauft)
  • 07.12.2018 Karlsruhe, Substage (Ausverkauft)
  • 08.12.2018 AT-Saalbach-Hinterglemm, Bergfestival
  • 18.12.2018 Frankfurt am Main, Batschkapp (Ausverkauft)
  • 19.12.2018 Frankfurt am Main,Batschkapp (Ausverkauft)
  • 21.12.2018 Düsseldorf, Mitsubishi Electric Halle
  • 22.12.2018 Bremen, Pier2 (Ausverkauft)
  • 27.12.2018 München, Zenith (Hochverlegt)
  • 28.12.2018 Erfurt, Thüringenhalle
  • 29.12.2018 Hannover, Swiss Life Hall

Herz für Feine Sahne Fischfilet #wirsindmehr Chemnitz (Foto: Peter Ohnacker © Blogrebellen)



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1 KOMMENTAR

  1. […] Man kann doch nicht davor einknicken, dass Rechtsradikale da eventuell aufmarschieren könnten. Und auch die Angst, dass da die Tapete kaputt geht. Wobei schon dort über hundert Bands gespeilt haben und es war alles kein Problem. Das ZDF@Bauahus gibt es schon so lange und da war die Tapete bestimmt bisher kein Thema gewesen. Wir hätten da ein ganz normales und cooles Konzert gespielt. Quelle: Auszug aus unserem Interview mit Christoph Sell von FSF […]

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