Gestern, am 10. November jährte sich die Veröffentlichung des Albums Bambule von den Absoluten Beginnern zum zwanzigsten Mal. Während in vielen Artikel in der Sphäre dieses besondere Album gefeiert und geherzt wurde, erschien auf der WELT ein wirklich seltsamer Artikel, mit dem der Autor Jan Delay mit Anlauf in den Arsch tritt.

“Jan Delay ist das größte Missverständnis der deutschen Popkultur”

Jan Delay ist eine der nervigsten Figuren Deutschlands. Er selbst hält sich für einen großen Künstler. Dabei ist er nur ein schlechter Witz. Zeit für eine längst überfällige Klarstellung.
Dieser Text über Jan Delay ist nicht bloß ein Text über Jan Delay, dieser Text über Jan Delay ist eine Korrektur. Eine Revision. Eine Umkehr. Denn wenn wir im Jahr 2018 noch von Jan Delay sprechen, dann sprechen wir von einem Missverständnis, und damit ist nicht bloß ein einfaches, ein gewöhnliches Missverständnis gemeint, nein, wir sprechen von einem historischen Missverständnis, wir sprechen von dem vielleicht größten Missverständnis der deutschen Popkultur. Und der Ursprung von diesem Missverständnis wird heute 20 Jahre alt.

Schon in der Einleitung des “Meinungstextes” von Dennis Sand gibt der Autor ordentlich Gas, um die Leser in seinen verqueren Text zu ziehen. Im Verlauf des Artikels versucht er in einer recht widerlichen Art und Weise, den Künstler Delay zu diskreditieren, seine kommerziellen Erfolge als Mitglied der Combo (Absolute) Beginner und als Solo-Künstler klein zu schreiben.

„Er ist nur ein bisschen dumm, der Jan.“

Musik ist Geschmacksache, keine Frage. Man muss Jan Delay nicht mögen. Seine Musik nicht, seine Stimme nicht und auch sein Auftreten nicht. Mag sein, dass Jans Reggae-, Funk, Soul- und Rock-Alben nicht die Genre-Knaller waren. Geschenkt.
Auch ich mag nicht alles, was von und mit Jan Delay entstanden ist. Dafür entwickelte sich Delay mit seinen Produktionen immer weiter, probierte Neues aus und hat scheinbar immer Spaß dran gehabt, was man von ganz vielen Musikern nicht behaupten bzw. erkennen kann.

Was allerdings in diesem Text wirklich extrem unangenehm aufstößt, ist die Herangehensweise des Autors. Die Tatsache, dass er gleich an mehreren Stellen seines Artikels persönlich und verletzend wird, hebt eigentlich nur die Schwäche seiner Argumentation hervor. Selbst vor homophoben Beleidigungen schreckt Sand nicht zurück:

Deutsche Medien hassten sehr lange Gangsta-Rap, aber einen Jan Delay, der da mit seinem lustigen Hut, seiner übergroßen Sonnenbrille und den schrill-schwulen Anzügen etwas vor sich hin näselt, der stellt nichts infrage, er stellt bloß etwas dar, sich selbst, also haben die deutschen Medien Jan Delay durchgereicht, vor jede Kamera gezogen, und Jan Delay ließ sich wie ein dressiertes Zirkusäffchen auch vor jede Kamera ziehen, wo er dann erklärte was Style, was Kunst und Politik wäre, ohne natürlich auch nur im Ansatz irgendetwas über Style, Kunst oder Politik verstanden zu haben.

Was ist dem Autor also über die Leber gelaufen, um eine solch derbe Hasstirade auf einer solch viel gelesenen Publikation zu veröffentlichen und dem Künstler somit dermaßen öffentlich ins Gesicht zu treten? Das kann doch nicht nur das Missfallen der Musik oder des Künstlers selbst sein. Womit rechnet der Autor ab, welche Rechnung hatte er mit Delay offen? Und wer hat hier was missverstanden?

Eine als „Meinungstext“ deklarierte Tirade

Dieser Artikel ist eine kalkulierte Geschichte der WELT, die im Bereich Rap schon ihre Erfahrungen sammelte und aufs gleiche reichweitenstarke Empörungs- und Aufmerksamkeits-Pferd zu setzten scheint. Die gezielte Entgleisung auf Kosten eines Musikers mit einem Text, der durch seinen Hass so viel Angriffsfläche bietet, dass das Lesen wehtut, scheint nicht anderes zu sein, als ein Artikel eines schlecht gelaunten Autors, der damit seine eigenen Probleme kompensiert. Musikjournalismus sieht für mich anders aus. Schade, dass die Welt diesen Artikel so durchgehen ließ.

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2 KOMMENTARE

  1. Scheint ja doch ernstzunehmend genug zu sein, um hier nochmal drauf aufmerksam zu machen. Kümmert sonst einfach niemanden, son Aritkel. Genausowenig wie Jan Delay übrigens.

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