Sie trinkt niemals Kaffee, hat aber trotzdem die Energie einer ganzen Koffein-Fabrik: Laura, ihres Zeichens Gründerin von “Feminismus im Pott“, außerdem Sozialwissenschaftlerin und als solche Koordinatorin der Kampagne gegen sexualisierte Gewalt “Unser Campus” der Ruhr-Universität Bochum. Und wenn sie sich nicht feministisch austobt ist sie auf Konzerten und Festivals unterwegs, gefühlt auf ein paar tausend im Jahr. Wie sie das macht? Keine Ahnung. Der Kaffee wird es nicht sein!

Laura (rechts) und ich 2017 in Wacken, im Zelt auf dem Holy Ground, noch vor dem großen Regen (und der Matsche). Kaffee gab es auch schon damals nicht für Laura, sie war trotzdem morgens immer als erste wach. Vielleicht auch, weil ich so krass geschnarcht habe?

1) Wer bist Du und was machst Du, und warum hast Du Dich entschieden die Blogrebellen nach Roskilde zu begleiten?

Ich heiße Laura und arbeite als Sozialwissenschaftlerin an der Ruhr-Uni. Aktuell koordiniere ich „Unser Campus“, eine Kampagne gegen sexualisierte Diskriminierung und Gewalt auf dem Campus.

Durch Schlager und MTV auf Omas Couch in Bochum Werne sozialisiert, machen meine Guilty Pleasures rückblickend durchaus Sinn. Ob Meat Loafs „Bat Out Of Hell“ aus Papas CD-Regal meine musikalische Leidenschaft geweckt hat oder eher ein Close-Up von Sebastian Bach bleibt offen. Fakt ist: Bon Jovi, Vixen, Guns N’Roses und Co. gehören seitdem zu meinem Leben genauso dazu wie feministische Klassikerinnen und Demos. Deshalb war ich spätestens im Studium dem plumpen Sexismus der Szene das erste Mal überdrüssig. Sex(ismus), Drug (Addicts) und (alternde) Rock(stars)‘n‘Roll – wie sollte das fortan mit meinen politischen Ambitionen zusammenpassen? Der darauffolgende Bruch mit der Musik und der Szene bedeutete aber gleichzeitig eine persönliche musikalische Ödnis. Aber Menschen sind komplex, nicht wahr? Also ganz à la Erving Goffman (oder Alice Cooper): „Wir alle spielen Theater.“ Das heißt, unsere soziale Rolle speist sich aus unterschiedlichen und durchaus widersprüchlichen Einflüssen und Erwartungen der Gesellschaft. Rock’n’Roll-Sisterhood ist eben eine der vielen Facetten, die ich mit meinen feministischen Ambitionen zu verbinden suche.

Mit den Blogrebellen aufs Roskilde zu fahren, ist aus zwei Gründen eine gute Sache: erstens verbringe ich Zeit mit coolen und talentierten Frauen und zweitens: „We got a message to fullfill“. Das Genre des Musikjournalismus ist männlich dominiert, was dazu führt, dass es größtenteils einfach langweilig ist. Wir brauchen diverse Perspektiven und keine Rammstein-Romantisierung.

2) Auf welchen Festivals hängst Du sonst so rum?

Na ja, ohne Hard Rock oder Metal geht bei mir nix. Wacken, Graspop, Skogsröjet? Mir egal. Hauptsache weg. Nadias und mein großes Ziel bleibt die Full Metal Cruise. Spätestens zum 50ten!

3) Feminismus und Festivals – was für Chancen bietet diese Kombination für Dich?

Neben Metal und Bier ist das meine Lieblingskombination. Ohne meinen feministischen Background wäre mir die Wichtigkeit des Projekts vielleicht nicht so klar. Dass wir (fast) als reine Frauengruppe (Hallo Peter!) aufs Festival fahren, ist nicht selbstverständlich. Und dass explizit nach unserer weiblichen Perspektive auf Inhalt und Form gefragt wird, ist wirklich etwas Besonders.

Festivals sind für Frauen und non-binary genauso interessant wie Männer. Aber sind sie auch auf sie ausgerichtet (Line-Up, Infrastruktur)? Eher weniger. Das Roskilde hingegen schreibt Awareness und Gleichberechtigung groß. Die praktische Umsetzung werde ich mir in den kommenden Wochen mal etwas genauer anschauen.

4) Was war Dein einprägsamstes Festival-Erlebnis ever?

Mein musikalisches Highlight waren definitiv Vixen, die ich letztes Jahr aus der ersten, äh ne zweiten Reihe auf dem Graspop fangirlen durfte. Nur aus der zweiten Reihe, da sich ein Vater mit seiner kleinen Tochter nach vorne kämpfte und ich für den weiblichen Nachwuchs selbstverständlich meinen guten Platz räumte. Später kam aber raus, dass Janet Gardner einfach sein childhood sweetheart war und er trotz seines vorbildlichen Einsatzes seine Tochter nicht für die Musik begeistern konnte.

5) Worauf freust Du Dich in Roskilde am meisten?

Meine Mädels, Alkohol und The Cure. Getreu der alten Lebensweisheit: „Party time. Excellent!”.

6) Was sind Deine Festival-Essentials?

Mascara, die besten Ohrstopfen der Welt (denn auch Frauen schnarchen) [Anm. von mir, Nadia: Ich weiß, Laura… Ich weiß!] und Energy Drinks. Obwohl ich auch auf dem Festival auf veganes Essen bestehe, wird das gesunde Leben in den folgenden Tagen eher klein geschrieben.


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