Festivals sind nicht nur ein Fall für den Sommer. Und dass Festivals nicht immer nur mit Zelt, Dosenbier, Dixi Klos und Zeltduschen in Verbindung gebracht werden müssen beweist seit Jahren das Rolling Stone Beach im Ferienpark Weißenhäuser Strand und seit letztem Jahr das Rolling Stone Park im Europa-Park Rust, ausgerichtet vom Veranstalter FKP Scorpio und (wie der Name bereits verrät) dem Rolling Stone. Das Rolling Stone Beach findet am kommenden Wochenende statt, das Rolling Stone Park hatte letztes Wochenende die Festivalzelte geöffnet.

Konferenzzentrum im Europa-Park

Als Wiederholungstäterin schlug ich mich in diesem Jahr ohne Begleitung auf dem Rolling Stone Park durch – es galt zu testen, ob ich mich auch als Alleinreisende auf einem Festival zurechtfinden und auch wohlfühlen würde. Die anderen Girls der Female Festival Task Force waren durch andere Verpflichtungen oder kurzfristige fiese Erkältungen verhindert, so dass von ursprünglich drei Wuchtbrummen nur ich die Reise am 8. November Richtung Schwarzwald antrat – beruhigt durch das Wissen, ein wahres Komfort-Festival anzupeilen. Bereits im letzten Jahr hatte ich ganz verzückt mit Laura die Festival-Premiere miterlebt, und ich spoilere schon hier: Ich bin Fan. Ich bin ein ur-großer Fan des Rolling Stone Park und ich hoffe ich werde jedes Jahr an diesem kleinen, aber feinen Festival in skurriler Kulisse teilnehmen können. Doch nun zu den harten Fakten.

Zum Festival-Zeitpunkt befindet sich der Europa-Park in der Weihnachtsrevision, d.h. neben Wartungsarbeiten wird die massive Weihnachtsbeleuchtung (ungefähr in der Liga Chevy Chase´s Christmas Vacation x 1 Million) im gesamten Park angebracht. Das Festival findet also im Veranstaltungszentrum des pausierenden Freizeitwunderlands statt, wobei jedoch am zweiten Festivaltag tagsüber jedes Jahr drei bis vier Fahrgeschäfte exklusiv für die Besucher_innen des RS Parks geöffnet sind.

Unterbringung

Ich hatte mich im Hotel Colosseo eingemietet (dieses Angebot ist beim Festival optional, man kann auch auf Tagestickets zurückgreifen und dann eine Unterkunft selbst organisieren) und konnte Freitag nachmittag nach Ankunft mein “Einzelzimmer” beziehen, das standardmäßig die Größe eines Familienzimmers hatte – inklusive vier Betten, eins davon ein Hochbett in Kutschen-Optik.

Ein eigenes Bad mit ordentlich Abstellfläche sowie ein kleiner Balkon gehörten auch noch zur Ausstattung, so dass ich alles in allem einen Volltreffer gelandet hatte – zudem mein Zimmer im ersten Stock und fußläufig nur ein paar Schritte vom Poolbereich entfernt war. Vorher hatte ich mir bereits im Pool- und Spa-Bereich des Colosseos die Zeit vertrieben, Bademantel und Flauschehandtücher im Preis inklusive. Am RS Park-Wochenende liegen zudem im Hotel überall Exemplare der Rolling Stone herum, so dass man nicht mal Lesestoff mit ins Gepäck packen muss.

Überhaupt ist das Colosseo ein ziemlich imposanter, luxuriöser aber eben auch lustiger Bau, da die pseudo-italienische Atmo einfach nur zum Schreien ist: Römer-Helme die als Lampenschirme dienen, riesige Rotweinflaschen als Deko-Elemente, ein Mini-Colosseum im Innenhof in dem der Spa-Bereich beherbergt ist, und in der Unterführung zum EP Express (das ist die Schwebebahn, die die Gäste in den Europa-Park transportiert) dudeln den ganzen Tag italienische Schlager.

Meine Unterbringung aus FFTF-Gesichtspunkten bewerte ich insgesamt mit: 10/10.

Komfort/Sicherheitsgefühl

Hand aufs Herz, ich wüsste nicht ob ich es mir zutrauen würde auf einem Mega-Festival im Sommer auf einem Zeltplatz alleine zu campieren. Weniger die Angst vor aggressiven Festival-Besucher_innen sind dabei mein Hemmnis, sondern eher die Befürchtung, technisch zu versagen. Was, wenn ich das Zelt nicht aufbauen kann? Was, wenn ich wichtige Basics vergessen habe? Was, wenn ein Unwetter naht und ich dann alleine mit einem vollgesifften Zelt konfrontiert bin, ohne moralische Unterstützung von Mitreisenden? Und auch der Weg nachts im Dunkeln zum Camping-Platz würde mich ein bisschen mulmig fühlen lassen. All dieser Mulm entfiel für mich beim RS Park: Ich hatte mein Zimmer, ich konnte mich bei allen Fragen und Eventualitäten an der Rezeption melden, und nachts fuhr ich mit dem EP Express vom Veranstaltungsgelände mit anderen Mitreisenden bis vor die Tür des Hotels. Da das Publikum zudem aus vielen Personen mittleren Alters bestand, das größtenteils dem Kampftrinken abgeschworen hatte, gab es auch kein aggressives Mackerpublikum – auch die Auswahl der Acts wird hierzu beigetragen haben. Wer den zarten Klängen von Bess Atwell und Jessica Pratt lauscht und bei den alten Herzöffnern von Maximo Park mittanzt, der ist naturgemäß danach auch nicht mehr in der Stimmung hardcore-besoffen und Seven Nation Army-gröhlend in einer Schwebebahn rumzutrampeln (alles schon erlebt, liebe Freund_innen, alles schon erlebt).

Und zum Komfort muss ich auch nicht viel sagen: Ein eigenes Zimmer, ein opulentes Frühstückbuffet, ein wunderhübscher Schwimm- und Spa-Bereich mit beheiztem Außenbecken in dem ich täglich meine Bahnen zischen konnte – ich war nach dem Festival erholter als vorher.

Was Komfort und Sicherheitsgefühl vergebe ich ohne mit der Wimper zu zucken: 10/10.

Rahmenprogramm

Da die Konzerte immer so gegen 16:45 Uhr starteten, gab es am Tag noch ordentlich Zeit, die es sinnvoll zu verbringen galt. Kein Problem für mich: Neben einer ausgiebigen Karusseltestung am Samstag nutzte ich ausgiebig den Pool-Bereich, ging ein bisschen in Rust spazieren und stattete dem örtlichen Supermarkt einen kleinen Besuch ab, und schaute mir außerdem das kulturelle Rahmenprogramm wie die Poster-Ausstellung an. Zudem winkten noch eine Whisky-Testung, eine Lesung mit Micky Beisenherz und Oliver Polak, ein Extra-Karussel-Konzert mit Meadows am Samstagvormittag und und und… Auch als Alleinreisende verspürte ich nicht eine Sekunde Langeweile, sondern hatte immer ein spannendes Abenteuer zu erleben. Und natürlich nahm ich die Pausen zwischen den Konzerten wahr um angemessen zu essen und zu trinken. Von Pommes bis Crépes bis Glühwein gab es alles, was ein Mini-Vorweihnachtsmarkt hergeben kann. Deswegen auch hier: 10/10.

Musik

Die Frage des Line Ups ist natürlich auch immer eine Frage der Geschmäcker und hat viel damit zu tun, welche Acts grundsätzlich für ein eher kleines Festival zu haben sind und überhaupt grade touren und von den VÖ-Agenturen rausgegeben werden und-und-und. Und, Spoiler: Ein extravagantes Roskilde-Line-Up sucht man hier vergeblich, aber hier chillen ja auch nicht hunderttausende, sondern maximal ca. 4000 Festival-Besucher_innen. AUSSERDEM. Außerdem. Vor allem Indie- und Singer-Songwriter_innen-Fans kommen beim RS Park voll auf ihre Kosten. Ein paar große Namen (Maximo Park, Charlatans, The Specials, The Villagers, Joan as Policewoman) gaben sich mit ein paar wirklich gut ausgesuchten kleineren Acts die Klinke in die Hand (meine Highlights auf jeden Fall: Amy Montgomery, Billie Marten und JC Stewart). Out of the League-Favoritin: Jemma Freese, die neue Keyboarderin von Maximo Park. Liebe, Liebe, große Liebe einfach!

Aber, ich mag ehrlich sein: Ein kleines Manko war für mich, dass sich teilweise die weiblichen Acts übel miteinander überschnitten. Was Indie-Angebote betrifft bin ich ja der Meinung, dass das ein Genre ist wo es schon ein Unterschied ist ob wir den Mann an der Gitarre haben oder die 1a-Songwriterin. Wenn also im Line Up die Frauen schon ein bissi in der Unterzahl sind, wäre es prima, wenn es sich irgendwie einrichten ließe dass sie sich nicht so hart überschneiden. Ich konzentrierte mich aber teilweise dann auch einfach auf die weibliche Crew in den Bands (Maximo Park! Nick Waterhouse!), und hatte so am Ende doch ein ganz gutes Quotengefühl. Vergebe hier: 8/10. Könnte ich mir Acts für die Zukunft wünschen, so wären das: boygenius, Phoebe Bridgers, Julien Baker, Sam Phillips, Tanita Tikaram, Weyes Blood, I am Kloot, Death Cab for Cutie.

Fazit

Das Rolling Stone Park ist und bleibt ein Komfort-Festival der Extraklasse. Auch Alleinreisende kommen hier voll auf ihre Kosten ohne sich unsicher oder fehl am Platze zu fühlen. Der Europa-Park bildet zudem die perfekte Kulisse für ein skurril-charmantes Spätherbst-Frühweihnachtsurlaubswochenende. Deswegen: Ich als Female Festival Task Force-Mitglied vergebe die volle Punktzahl.


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