Ok. Diese Nachricht trifft mich in mein Kulturherz. Sage und KitKat-Club schließen. Nicht das ich hier Stammgast der beiden legendären Clubs bin. Für mich gehören sie einfach zu Berlin und sind fester Bestandteil der Kulturszene.

Clubs passen nicht ins (Bau) Konzept der Stadt

Mittlerweile sind einige Clubs wie der Tresor, WMF-Club und Eimer geschlossen und nur wenige werden diese vermissen, geschweige denn noch kennen.
Gerhard Lehrke von der Berliner Zeitung bemerkt zurecht: “Diverse Clubs hatten in den vergangenen Jahren Bauprojekten, steigenden Mieten oder Beschwerden aus der Nachbarschaft weichen müssen. Zu nennen sind, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, das Knaack, der Bassy Club, White Trash oder Kingkong Club.”

Clubs, die Platz für den Untergrund jenseits des genormten Alltags boten sind weg. Man glaubt es kaum aber dieser verrückten Szene hat Berlin einen großen Teil seiner Wirtschaft zu verdanken. Alle Kreativen und Macher der Szene aus ganz Deutschland haben genau diesen Flair hier gefeiert. “Arm aber Sexy” brachte schließlich den Boom und man vergaß sichtlich Seitens der Stadtpolitik genau dieses kulturelle Kapital zu schützen und neue Wege zu finden, wie man Clubbetreiber*innen bei Seite stehen und helfen kann.

Harte Zeiten für Kulturschaffende

Es ist keine gute Zeit für Kulturschaffende. In meinen Workshops erzähle ich Musiker*innen, dass Kooperationen mit Marken unumgänglich sind, wenn sie wachsen wollen. Traurig. Ich weiß. Das ist aber eine niedrigschwellige Einnahmemöglichkeit ohne bürokratische Antragstellungen, die lange Zeit in Anspruch nehmen und weniger flexibel sind. Stabilität bietet diese Form aber eher nicht. Denn das Kapital aus dem Werbemarkt ist wie Ebbe und Flut. Mal ist viel davon da und mal eben nix. Und zudem ist dieser Fluss sehr Trendgebunden.  Nachaltig ist das nicht und die Kluturszene braucht mehr Verbindlichkeiten und Stabilität. So spießig das klingen mag.

Hoffnung?

Es gab bisher kein öffentliches Bewusstsein dafür, dass es sowas wie ein kulturelles Kapital gibt, und,  genau wie Omas goldene Uhr, gilt es diesen zu bewahren und zu schätzen. Nun scheint man den Knall doch irgendwie gehört zu haben, denn gerade scheint ausgerechnet der CDU-Abgeordnete Christian Goiny sich für die Clubszene stark zu machen. Eine Koordinationsstelle solle eingerichtet werden, die eine vermittelnde Rolle zwischen den Clubs, Bezirksämtern und der Hauptverwaltung einnehmen soll. Den Clubs solle sie bei den Antrags- und Genehmigungsverfahren unterstützen. Diese Idee ist simpel und gut. es bleibt nur zu hoffen, dass sie auch so durchkommt.


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2 KOMMENTARE

  1. Clubsterben ist generell ein Problem. Ich bin ja eher in den normalen Großraumdiskos unterwegs gewesen. Im Kontrast im Hoppegarten durfte ich sogar mal auflegen. War super.

    Allerdings ist ja überall weniger los. Ich seh’s ja bei meinem 16-jährigen. In dem Alter war ich am WE eigentlich schon immer weg. Ich kenn’ sogar noch Mittwochs-offen oder Parties im Mark4 in Zetel, die über mehrere Tage am Stück gingen.

    Wenn man heute in den Läden guckt, die allesamt nicht mehr so heißen, wie zu meiner Partyzeit (vor 10+ Jahren), dann ist da erstens nix mehr los und zweitens nur dann, wenn es Alkoholflatrates gibt.

    Ich bin mir also nicht so richtig sicher, ob das ein Problem des Senats ist oder vielleicht auch das Problem, dass die Crowd sich heute “face-to-face” gar nicht mehr sehen muss.

    • Guter Punkt! Das jüngere Publikum hat eben andere Bedürfnisse. Die digitale Revolution findet eben von der Couch aus statt.
      Hier wird man sicher umdenken müssen und sich vom asiatischen Raum (Süd Korea, Japan etc.) inspirieren lassen.

      Aber diese Clubs in Berlin waren recht gut besucht. Das Problem waren eher die Nachbarn oder dass die Immobilie mehr hergibt, wenn sie saniert wird.

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