Genre: Akustik-Folk; auch: Art-Pop, Chamber-Pop, Country-Soul, Singer/Songwriting
Label: Fire Records/Cargo

Die Harfenspielerin Josephine Foster schreibt sich ohne ‚R‘ im Nachnamen und ist keinesfalls mit Mark Forster verwandt. Vermutlich könnten beide miteinander jeweils herzlich wenig anfangen. Die elegante Folk-Pop-Komponistin macht in jeder Hinsicht das Gegenteil von Mark: Ihre Stücke klingen von jeglichem Zeitgeist entrückt. Sie könnten locker ins 19. Jahrhundert zurückreichen.

Analoge Liebesbriefe statt Apps

Analoge Instrumente stehen für sie über allem. In ihrem Sound dominiert Holz über Plastik. Josephines Texte distanzieren sich vom mondänen Bäumchen-wechsel-dich-Spiel unserer Tinder-Ära. Liebe existiert zunächst einmal als Liebe zur Schöpfung, folgt man den ersten Songs von „No Harm Done”. Bezieht Liebe sich auf einen anderen Menschen, wird sie nicht über eine App geteilt, sondern als analoger Liebesbrief, mit Metaphern aus einem semantischen Umfeld von Hölderlin und Co. Liebe ist aufgeladen damit, dass sie eine Hürde beinhaltet, etwas Besonderes und Kostbares ist.

In ihrem „Love Letter“ teilt Josephine Foster mit: „Ich kann dich wie ein Buch lesen / Deine Augen sprechen Bände auf einen Blick / Und ich kann zwischen den Zeilen lesen / nämlich alle Windungen deines Geistes. / Ich kann dich wie ein Buch lesen / allen Stress den du erlebt hast / Er gräbt Tränen wie der Sand der Zeit / Die Flüsse fließen wie rubinroter Wein / und die Seiten, die sie umblättern.“

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Viele Leute waren am Kammer-Pop ihrer neuen 8-Tracks-EP nicht beteiligt. Im Juni 2020 in Nashville während des Lockdowns eingespielt, beteiligten sich neben ihr noch ein Steel-Gitarrist, ein Ko-Produzent und ein Tontechniker. Josephine kümmert sich ähnlich wie die oben vorgestellte Emily Barker um mehrere Instrumente, darunter Orgel, Klavier und mehrere Gitarren.

Steel-Gitarre zu Harfe und Orgel

Die Steel Guitar ihres Kollegen Matthew Schneider verleiht den Liedern eine schummrige Stimmung. Dass alle Songs in einem sehr ähnlichen Tempo und einer sehr ähnlichen Gesangs-Modulation durchplätschern, degradiert das handwerklich bildhübsche Mini-Album etwas. Denn so wirkt der eigentlich schöne, warme Stil auf Dauer etwas zu monoton. Für Momente am Kamin oder am Weihnachtsbaum eignet sich „No Harm Done“ gleichwohl perfekt.

Josephine Foster spielte zuletzt im Winter 2019 ein paar Gigs in Deutschland. Die Sängerin stammt aus Colorado und veröffentlicht seit 2000 schöne Aufnahmen zwischen Retro-Folk, Psychedelic und rustikalem Dream-Pop.

Josephines letzte reguläre Studioplatte erschien ebenfalls beim Londoner Indie-Label Fire Records (2018): https://josephinefostermusic.bandcamp.com/album/faithful-fairy-harmony. Die neue EP erschien am 20. November 2020.

ART POP & Indie – Die Serie

Warum eine Serie? Nun, die meisten Namen in dieser Serie ziehen im deutschsprachigen Raum nicht allzu viel Aufmerksamkeit an. Sollen die Artists also einander gegenseitig pushen, indem wir sie miteinander verbinden. Hier findet ihr Releases aus dem Zeitraum August 2020 bis Januar 2021, die im weitesten Sinne mit Art Pop und meist auch mit Indie-Labels zu tun haben. 
Auswahlkriterium: Nicht klassifizierbar. Innerhalb des Indie-Rocks keiner größeren Strömung (also keinem New Wave, Synthie, Folk, Psychedelic, Kraut, Indie-Soul usw.) zuzuordnen. Nischenmusik zwischen allen Stühlen. Mit Instrumenten, Vision und Wagemut.
Hier findet ihr alle Artikel der Serie!

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