The Avalanches – We Will Always Love You

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The Avalanches vereinen in ihrem Namen gleich mehrere schwere Stürme. Verschneit wirken die Sounds auf „We Will Always Love You“ in der Tat auch, aber eher rieseln die melodiösen und gerappten Anteile friedlich, als dass hier etwas stürmen würde. Auch ruhige Non-Chalance ist ein Merkmal dieser australischen Platte. Und doch: Die Kunst liegt im Aufprall verschiedenster Ausdruckstechniken und Stile der Popmusik: Elektronik, Alternative Rock, Soul und HipHop inbegriffen. Im Jahre 2001 fielen die Avalanches schon einmal auf, mit dem verträumten Song „Since I Left You“. Damals ließen sie sich noch dem Trip Hop und Drum’n’Bass zuordnen, einer Sammelkategorie für alles, was im Plattenladen seinerzeit sonst kein eigenes Fach hatte.

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Der erste Hit der australischen Avalanches ist fast 20 Jahre her: „Since I Left You“ kam bei uns damals mit fast einem Jahr Zeitverzögerung aus Down Under an und interessierte im Frühjahr 2002 sogar große Radiosender.

Nach dem Debütalbum folgten erst eine sehr, sehr lange Pause, dann aber einige sehr schöne, stimmungsvolle Videoclips zu einem Nachfolger, 2016. Dort wurde ein Feuerwerk aus Samples gezündet, das die umfassenden Kenntnisse der Avalanches in Musik von den 60er bis 90er Jahren unter Beweis stellte.

Elektronisch, eklektisch, menschlich

In das dritte Werk sind nun 24 Gäste eingebunden, die großenteils ihrerseits nie nur ein Genre bedienten: MGMT (Electropop/Psychedelic), Neneh Cherry (TripHop, Rap, Free Jazz, Pop), Blood Orange (Future R’n’B, HipHop), Sananda Mitreya (ehemals Terence Trent d’Arby, Pop, Soul), Perry Farrell (ehemals Jane’s Addiction), um ein paar zu nennen.
The Avalanches sind im Wesentlichen eklektische (nicht elektrische ;-)) DJs, die Gaststimmen und Sampling-Quellen brauchen, um menschliche Anteile in ihre Songs zu bringen.

Denn ihr Anspruch an elektronische Musik scheint wohl die gesungene Geschichte. Also könnte man Songwriter-Elektronik dazu sagen – nicht aber Folktronic, weit entfernt von Mumford & Sons und Konsorten. Denn: Die Rhythmen fußen hier auf souligem Offbeat, die Klangfarben sind weich und pastell. Neun Miniaturen mit Fragmentstruktur und Noises und Loops gibt es, und 16 „richtige“ Songs.

Von Dream-Pop bis Spoken Word: Pastellfarbene Musik & Satelliten-Sounds

Das Sammelsurium ist ein vergleichsweise üppiges Werk. Durchlaufendes Motiv ist eine Dream-Pop-Stimmung mit verwaschenem Wohlklang. Alles scheint erlaubt, nichts aber soll aufregen, nach Hype oder Krise klingen. Beiläufig klimpert da etwa die kosmische Liebe, „Interstellar Love“, mit Leon Bridges als Sänger.

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Die Studiofassung auf dem Album ist zwei Minuten kürzer, aber auch recht verträumt.


Nach Soul klingt Sananda Mitreya im fiepsig abgemischten „Reflecting Light(hatten wir schon vorgestellt), einem euphorisch glühenden Stück aus einer intakten Welt. Vashti Bunyan trägt kehlig ein paar weitere Zeilen bei. Geräusche, als bremse eine gezündete Rakete, beschließen das Lied. Ausgerechnet Perry Farrell erscheint im lockeren Space-Dance-Stück „Oh The Sunn“. Mitunter enden Songs abrupt, und wie in einem Mixtape übernehmen dann recht informell neue Beat-Patterns. Der heimliche Hit des Albums, in puncto Mitsumm-Eignung, heißt „We Go On“ und beherbergt/beinhaltet als einen der Gäste am Mikrofon Mick Jones (Gitarrist von The Clash, The Libertines-Produzent).

Neneh Cherry wird gut eingebettet

Komplexeste Darbietung ist „Wherever You Go“: Mehrere Anfänge und Enden verschachteln sich zu einer reizvollen Klangstudie, aus der sich die vertraute Stimme von Neneh Cherry nur mehr von Ferne durchsetzt. Sie erzählt etwas von Politikern, die kalkulieren (und meint da die gegenseitige Beschuldigung zwischen Labour und Tories in Sachen Brexit). Auch dabei: Jamie XX (The XX).

Während das letzte Drittel des Albums zunächst den Kurs in Richtung Spoken Word und Cloud-Rap einzuschlagen scheint, biegt es dann sogar noch einmal in eine separate Richtung ab: somnambule Stimmungsgemälde, wie sie in „Always Black“ und „Music Is The Light“ zum Ausdruck kommen.

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Die alternative Disco-Funk-Nummer „Born To Lose“ und das Ambient-Wunderwerk „Weightless“ setzen gegen Ende besondere Akzente. „Weightless“ (unbedingter Anspieltipp!) hört sich in etwa so an, wie die Abstandsmesser beim Auto-Einparken. Satellitenhafte Hochfrequenz-Töne werden mal näher an den Hörer herangerückt, mal weiter entfernt. Die Scheibe der Avalanches kennt wahrlich keine Schwerkraft. „We Will Always Love You“ ist ein schwebendes Zauberwerk. Doch erdet die Musikgeschichte: Eine beeindruckende Fülle an Samples zitiert Smokey Robinson, Burt Bacharach, The Carpenters, Carlinhos Browns, Alan Parsons und manch raren Soul.

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„We Will Always Love You“ von The Avalanches erschien am 11. Dezember 2020 beim australischen Lo-Fi- und Electro-Label Modular Recordings. Im Vertrieb von EMI/Universal ist dieses dritte Album des DJ-Duos auf CD, Doppel-Vinyl und MP3 erhältlich.

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