Reggae-Sänger Beres Hammond
Beres Hammond - Pressebild (c) 2008 VP Records

Eine wegweisende Platte, die ein Genre definierte.

Soulmusik ist für die Entstehung von Reggae maßgeblich. Doch vor allem ein Album brachte den Zusammenhang mal auf den Punkt, Beres Hammonds „Soul Reggae“. Erschienen 1976, letztmals 1993 gepresst, war diese wegweisende Scheibe lange nicht erhältlich, im Streaming überhaupt nie. Nun erscheint sie als CD und Farb-Vinyl neu.

12 Tracks für die Ewigkeit: „Soul Reggae“ betrat Neuland, schrieb aber zugleich die Tradition der Soul-Spuren im Reggae fest. Diese edel produzierte Sorte Soul wurde von Roberta Flack, Donny Hathaway, Linda Clifford, Barry White, den O’Jays, Teddy Pendergrass u.v.a. Mitte der Siebziger als „Soft Soul“ populär.

Beres Hammond wurde zur wichtigen Figur für die große Popularität der Riddim-Selections. Zu Anfang seiner Karriere vertonte er im besten Sinne Chicago und Philly Soul. Die harmonischen Arrangements von Curtis Mayfield, Chi-Lites, Teddy Pendergrass, Harold Melvin & The Blue Notes usw. funktionierten bestens auf One Drop-Beats.

So zeigt das meisterhaft der Schlusstrack „Your Love Won‘t Shine“ auf „Soul Reggae“ und borgt sich die Horn-Section von Zap Pow. Diese (leider kurzlebige) Gruppe war ein Unikat der Musikgeschichte, und Beres ihr Sänger.

Beres Hammond, Pressefoto von circa 2008

Trompeter David Madden schrieb fast alle Pow-Songs. Jene Combo machte einige schöne LPs. Doch ihr eigentlicher Job war die Begleit-Section für zahlreiche Produktionen von Lee ‘Scratch‘ Perry.

Und auch der andere Mann, den man als Vater des Dub zuordnen kann, Herman Chin-Loy, steht im Zusammenhang mit Beres Hammond. Denn Chin-Loy gab ihm auf seinem Label Aquarius und in seinen Studioräumen die Chance auf dieses reichlich romantische, zarte, bisweilen sehr süßliche Album. Hammonds erste eigene Platte – kurz vor der Wiederauflage wurde er 65.

Pastellfarbener Reggae mit dem Who’s Who

Dem Geschmack der meisten jamaikanischen DJs mag der „Soul Reggae“ nie entsprochen haben – dafür erscheinen Tracks wie „Oh Take Me Girl“ recht fragil, wie pastellfarbene Kleckse in Musik gegossen. Aber im amerikanischen Sinne toll!

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Die schönen Kompositionen lassen großteils den Reggae hinter sich und sind eindeutig purer Soul, wie etwa „My Whole World“. Zugleich sitzt hierfür das damalige Who’s Who der Kingstoner Studios zusammen: Tyrone Downie orgelte für die Wailers. Willie Lindo, der auf „Soul Reggae“ Gitarre spielt, schrieb und produzierte die Songs – er war Teil von Joe Gibbs Crew, den Professionals. (Joe Gibb war ein weiterer prägender Dub-Producer.) Harold Butler griff für so ziemlich jeden – von Toots bis Rita Marley – in die Taste. Cynthia Schloss war eine Background-Sängerin der Upsetters usw. und so fort.

Orgel-Offbeat-Sounds mit Seele

Die spielerische Klasse auf „Soul Reggae“ hält gut mit den eingängigen Kompositionen Schritt, etwa dem dezent reggaefizierten, melancholischen „Don’t Wait Too Long“, einem der großen orgelbasierten Klassiker aus der Karibik. Der intensive Gesang von ‘Uncle‘ Beres verleiht den Songs ihre Seele und Unverwechselbarkeit – nur selten wird er gecovert.

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Frenetischer Jubel bei einem von Beres Hammonds Klassikern auf „Soul Reggae“: „One Step Ahead“

Zahlreiche Curtis Mayfield-Covers von Bob Marley und den Wailers belegen den starken Einfluss von Soul auf Reggae bereits in den Sechzigern. Peter Tosh trägt den Titel „Soul Rebel“ auf zahllosen Merch-T-Shirts. Jimmy Cliff nahm in den Siebzigern durchaus Soul- und Funk-Platten auf. Manche Acts in Jamaika, wie Ken Boothe, lebten erst mal vom Covern erprobter Hits aus den US-R&B-Charts. Everton Blender kann man heute gar als Soul-Crooner mit Reggae-Lyrics bezeichnen, und der Aachener Musiker Sebastian Sturm hat aus der Nähe beider Genre-Felder für sich ein Markenzeichen entwickelt.

Rocksteady und Lovers Rock als Subgenres sind sowieso höchst seelenvolle Musik, wie auch die „Queen“ Aretha Franklin in ihrem Klassiker „Rock Steady“ andeutete. Somit ist „Soul Reggae“ lediglich der Beweis, dass die Kombi auf Albumlänge formuliert. Und schon Toots Hibbert wusste: „Reggae Got Soul!“.

Beres Hammonds Debütalbum „Soul Reggae“ erschien als Widerveröffentlichung auf seinem Label Harmony House in Kooperation mit VP, in Deutschland im Vertrieb von Groove Attack auf Digipak-CD und Coloured Vinyl/LP.

C r e d i t s
Drums: Michael Richards (aka Michael Boo); Bass: Val Douglas, Art McLead; Guitar: Robert Johnson, Willie Lindo, Clarence Wear.
Organ: Tyrone Downie.
Electric Piano: Earl Lindo; Clavinet: Robbie Lyn; Congas: Cedric Brooks.
Piano & String Synthesizer: Harold Butler.
Saxophone: Glen DaCosta, Carlton Samuels, Cedric Brooks; Trombone: Joe McCormack.
Trumpet: David Madden, Nathan Brackenridge; Flugelhorn & Trumpet: Jackie Willacy.
Backing Vocals: Cynthia Richards, Ernest Wilson, Cynthia Schloss, Merlyn Brooks.

Recorded and Mixed at Aquarius Studio. Recording engineer: Errol Ross. Mixed by Steven Stanley and Willie Lindo.
Produced and arranged by Willie Lindo.

Hörproben auf Deezer: https://www.deezer.com/en/album/3258041

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Bis dato der letzte Auftritt von Beres Hammond in Deutschland, im Juli 2015 beim Kölner Summerjam.

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