Edie Brickell Bohemians Artwork 2021
Edie Brickell Bohemians Artwork 2021

Edie Brickell landete 1988 mit der Debüt-Single ihren ersten und bisher nahezu einzigen Hit, „What I Am“. Ein Spielfilm beinhaltete dann 1989 eine äußerst gelungene Coverversion, die Edie und ihre Band von Bob Dylans „A Hard Rain’s Gonna Fall“ aufnahmen. Und auf dem ersten Album hatten sich etliche Kracher befunden. „Hunter And The Dog Star“ knüpft an die damaligen Zeiten einer Band mit dem schönen Namen The New Bohemians an und serviert melodiösen Gitarrenrock mit der freundlichen, interessanten Stimme Brickells. Die vier Herren um sie herum sind mittlerweile andere.

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Edie Brickell mit ihrer damaligen Formation New Bohemians im Soundtrack des Oliver Stone-Films „Born On The 4th Of July“

Die Songwriterin ist die klare Chefin. Diese Rolle hatte sie schon damals, mit 22, inne. Verheiratet ist sie heute mit einem 25 Jahre älteren Partner, einem von Weltruhm in Sachen Storytelling: Paul Simon. Der ist mittlerweile Rentner, hatte im September 2018 bekannt gegeben, sein letztes Konzert zu geben, in New York. (Seither trat er allerdings auf dem Bluesalbum seines Zeitgenossen aus 50er-Jahre-Doo Wop-Zeiten, des 81-jährigen Dion di Mucci, für einen einzelnen Song wieder auf.)

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Der Herr mit dem roten Käppi verantwortet Graceland, Bridge Over Troubled Water, Mrs Robinson, 40 Ways To Leave Your Lover, What A Sunny Day, The Sounds Of Silence und die Entdeckung von südafrikanischem Jive und bahianischen Karnevals-Trommelgruppen für die Welt. Er war eine Hälfte von Simon & Garfunkel und machte von 1956 bis 2018 non-stop Musik.

Brickell hat in ihm sicher jemanden gefunden, der ihre Metaphern, ihre feenhafte Art zu singen und ihre schnörkelreichen Song-Arrangements zu schätzen weiß. Ganz im Sinne ihres Songs „I Found You“. Dieser Track erweist sich als Sternstunde von Brickells neuer Songkollektion, vier Minuten, die gut die beiden Stimmungs-Pole des Albums in sich vereinen. Hier ist die Sängerin im Wesentlichen erst mal mit der Basstrommel und einem schwebenden Orgelton, sowie ein bisschen Geräusch-Atmo, alleine.

Im Minimalismus das Richtige finden

Während der ersten Hälfte erwächst eine soulvolle Stimmung aus diesem Minimalismus. Bis überraschend ein E-Gitarren-Solo hineinplatzt. Zum Text: Zwischen Tälern und Weltmeeren ist sich die Ich-Erzählerin hier sicher, den Richtigen für sich gefunden zu haben. Und mir geht es beim Hören so, dass ich eine Musiksorte wiederfinde, die gefühlt in den letzten acht Jahren gar keine Rolle mehr in Musikmedien jeglicher Art spielte. Wegen solcher Musik bin ich Radio-DJ geworden. So schließt sich ein Kreis, „Circle“ (wobei es hier um einen Freundeskreis geht, damals nicht in der Zahl von Hausständen bemessen).

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Womöglich müssen wir beim Gejammer über fehlende Frauen im Musikbusiness besonders die 2000er und 2010er Jahre fokussieren. Zuvor gab es reichlich Frauen in vielen Genres. Brickell markierte 1988/90 eine Blaupause für tolle Alben mit selbstbewussten, stilsicheren Frauen an der Gitarre zu straighten Songs: Amanda Marshall, Rickie Lee Jones und Bobo In Wooden White Houses taten es ihr gleich, bis die nächste Generation um Leslie Feist und die von Sarah McLachlan mitorganisierten Frauenfestivals die Aufmerksamkeit an sich banden. 

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Amanda Marshall, eine vergessene Frauen-Ikone der 90er. Die Kanadierin machte drei wunderschöne Alben. Den Pfad für sie trampelten in den Achtzigern Leute wie Edie Brickell b(e)reit.

Auch heute gibt es wieder tolle Kunstgriffe. „Stubborn Love“ hat zum Beispiel einen C-Teil, also eine Bridge, dritte Komponente zwischen Strophen und Refrain, und da rückt die Stimme Brickells sehr nah heran. Nur umgeben von elektronischem, düsterem Hall. Was genau passiert, bleibt in den knappen, lakonischen Worten verborgen. Doch die mysteriöse Stimmung verleitete mich dazu, den Song immer wieder zu hören. 

Rock für den anglophonen Sprachraum, eine sonnenklare Stimme für die ganze Welt

Rockmusik im engeren Wortsinne streift Brickell mit ihren New Bohemians nur am Rande. Trotzdem reiht sich diese Platte in die Historie des Classic Rock-Genres, dank ihrer filigranen Instrumentierungen und die Freude der Sängerin an zügigen, straighten Songs. Texanerin, wie sie ist, streift die Platte auch – ein bisschen – das Americana-Stilsegment.

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Weshalb die Sängerin keinen Weltruhm errang und immer ein Geheimtipp blieb, wer weiß. Wo sie Erfolg hatte, spricht man Englisch: Neuseeland, Australien usw. Man hat mit den Lyrics und deren Stilmitteln mehr von der Musik und vom Storytelling. Vielleicht zeigte sich die Lady mit der sonnenklaren Stimme aber auch zu unstet. Auch ein Punkt: Einer ihrer besten Songs, „Air Of December“, dauert 6 Minuten. Welcher Radiosender spielt sowas?!

Sie machte zwei folkige Alben mit Andy Fairweather-Low in der Supergroup The Gaddabouts. Als Edie nahm sie zwei Alben bei einem großen Label auf, und zusammen mit den Bohemians bringt sie es auf nunmehr fünf weitere Platten. Dann gibt es noch drei Bluegrass-Duett-Alben mit dem Komiker Steve Martin.

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Letztes Jahr, 2020, erschien auch die Nummer „Sing To Me Willie“, ein Duett mit dem noch immer sehr umtriebigen Willie Nelson, 87. Auf dem Album fehlt die Nummer (leider).

Mit solch schönem Dream-Folk, wie im einprägsamen Track „Miracles“, kann sich „Hunter And The Dog Star“ schon jetzt sehr sicher zu den Alben des Jahres 2021 zählen lassen. Vom scharfen Eighties-Rock-Opener „Sleeve“ über den R’n’B-Folk-Pop in „I Dont Know“ bis zum tanzbaren „Tripwire“ und dem feinsinnig-witzigen „A Horse’s Mouth“: Hier prallt Hit auf Hit.

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„Hunter And The Dog Star“ von Edie Brickell & The New Bohemians erscheint am 19. Februar 2021 auf CD, LP und als MP3 bei Shuffle Records im Vertrieb von Thirty Tigers/Membran.

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