Lova - Pressebild (c) 2021, Johanna Pettersson

Schweden fiel 2020 vor allem durch eine alternative Herangehensweise an die Pandemie auf: Parties, Tanzen, öffentliche Küsse, alles kein Problem. In diesem Umfeld gab es für Pop-Newcomer eine Perspektive. Die junge R’n’B-Powerpop-Sängerin Lova, 21, findet aktuell nun gerade wenig Konkurrenz vor. (Jedenfalls nicht, wenn’s um Tonträger von mehr als 15 Minuten Länge geht.) Das Debüt der Künstlerin, „Grown-ish“, lässt kaum Trends der letzten Jahre aus, nimmt aber gut die Kurve zu etwas Eigenem, trotz allem: Fette Bässe, die den restlichen Sound ertränken und einen markigen Refrain unterstreichen. Folktronic, also die Verknüpfung zarter Akustik-Instrumente mit digitalen Loops aus dem Laptop. Rap-Passagen, die wie selbstverständlich einfließen, weil HipHop-Kultur Mainstream geworden ist und jedem in fast jeder Musikrichtung offensteht.

Female Empowerment mit dem Fokus auf einer positiven Einstellung gegenüber der eigenen Unvollkommenheit. Und: Bedroom-Pop. Dessen Prinzip schien schon fast wieder ausgelutscht zu sein, bis die Schwedin ihm nun einen neuen Anstrich mit dem rotzigen Ausdruck einer frühen Avril Lavigne verpasst.

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Der Song „Own Worst Enemy“ stellt ironisch klar, dass man ausgemachte psychische Probleme haben muss, um ein Star zu werden. So listet Lova zuallererst auf, worin sie Schwächen hat: Ein Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom habe ihr ein Arzt mal attestiert. Aber dann fällt ihr wenig an Problemen ein: Bloß unspektakuläre Normalität.

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Keine Neigung zu Alkohol und Drogen. Sie rastet nie aus. Schlussendlich bleibt da nur die Diagnose „Kontrollfreak“ – ein waschechter Grund für eine Psychotherapie! Den Rest des Songs freut sich Lova, dass es doch einen Grund gibt sich behandeln zu lassen und die eigene Verpeiltheit und Kaputtheit zu beklagen, ohne die man nun mal nicht als „street credible“ gilt.

Laut-Leise-Jojo & konservative Instrumentierung

Mit angenehmen, schnellen und straighten Rock-Pop-Dance-Hybriden arbeitet sich Lova rasch in die Herzen aufgeschlossener Pop-Hörer*Innen, die ein bisschen „Wumms“ in der Musik suchen: Die Songs sind, wie man im Englischen sagt, „cheesy“. Sie triefen vor Kadenzen, die sich aufdrängen, und platzen vor glatt-runder Perfektion. 

Das Jojo-Spiel mit Laut- und Leise-Passagen beherrscht die Newcomerin in ihren kurzen, kompakten Songs in Vollendung. Zu empfehlen wären Überpiepsungen des f*-Worts, das etwas inflationär vorkommt, in positiven wie negativen Konnotationen („you’re really looking f*ing good“, „I’m so f*ed up“).

Aber gut, man spürt immer, was Lova will, und das ist für grandiose Songs eine schöne Grundlage. Klavier, Gitarre, Schlagzeug, Drum-Programming, Synthetisches – die Instrumentierung ist konservativ, doch unterstützt sie die Zielstrebigkeit des Mini-Albums.

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Manche Tracks erweisen sich bereits beim ersten Hören als unsterbliche Hymnen, wie der Coming-of-Age-Song „Superhero“ und das nachdenkliche „Lonely Ones“, stimmlich sicher auch ein Fall für Fans von Alessia Cara, oder für ältere Hörer*innen, solche die mit Natalia Imbruglia sympathisierten.

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Das Debütalbum von Lova, „Grown-ish“, erschien am 22. Januar 2021 bei Republic/Universal.

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