Soaky Siren – Top Gyal / Upside Down | Tunes des Tages

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Klingt, als würde sie mit einem Niesen starten. Soaky Siren, Alter unbekannt, aufgewachsen auf den Bahamas, später wohnhaft in Miami, jetzt in Los Angeles, ist eine DER Top-Autorinnen von Songs der weltweiten Streaming-Charts. Zeilen von ihr und Melodien landeten in Tracks von Rita Ora, Jason Derulo und Pitbull. Entgegen dem (durchaus wahren) Klischee, dass im Übergangsfeld zwischen Mainstream-Pop, HipHop und Latin die allermeiste Musik von je fünf bis zwölf männlichen Songwritern geschrieben wird, wenn sie von einer Frau performt wird, steht Soaky für ihre Ideen, Erfahrung, Fertigkeiten und Lizenzrechte ein.

Austauschbare Trap-Beats, aber einmalige Vortragskunst

28 Prozent Lizenz-Anteile an der Hookline, dem Chorus, reklamiert sie für sich, wenn sie beauftragt wird, und zwar für Wort und Musik. 50 Prozent am gesamten Song. Darunter fängt sie gar nicht an. Bei Songwriting-Teams von manchmal 14, 17 oder mehr Leuten mag das eng werden.

Während Soaky mit dem Schreiben also eine Gender-Nische besetzt, ist sie am Mikrofon eine von Zigtausenden, die auf Trap-Beats mit den Worten lossprinten. Aber: Auch hier findet sie eine einmalige Handschrift. Gut, der Song „Top Gyal“ ist lediglich ein Statement ihres trocken-minimalistischen Vortragskunst und kein so wirklicher Tune des Tages. Aber er weckte meine Aufmerksamkeit, um mehr über die Künstlerin zu erfahren.

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Von diesem aktuellen Track gibt es noch kein Video. Aber wer Soakys Mund kennen lernen und ihren strahlend weißen Zähnen nahe kommen möchte, wird beim Intro zum Clip „Dope Boy“ fündig. Und die Tanz-Choreographie für „Upside Down“ kann beim Zuschauen schwindlig machen.

Die Grenze zwischen Urban-Style-Gesang und Rappen verfließt bei Soaky ständig in beide Richtungen. Auffällig die dunkle Stimme, die oft sehr gekonnt in überraschend krasse Höhen steigt. „Upside Down“ kann man weder als Rap noch als Gesang einstufen, hier wirkt Soaky Siren eher wie eine Mischung aus MC und Animateurin, das Ganze zu einem Beat-Feuerwerk in kriegerischer Dubstep-Ästhetik.

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In einem Interview mit kickkicksnare.com erläutert Soaky ihren Songtitel „Kombucha“(2018). Für sie hat das Getränk mit dem Image des Reinigenden als Metapher gedient. Ihr Freundeskreis soll quasi mit Kombucha durchspült und gereinigt von allen intriganten Betrüger*innen sein, frei von „bad minded people“.

Trotz fotogener, strahlend weißer Zähne – kein Fan von Social Media und Selbstinszenierung

Mit Soaky zu reden scheint immer eine interessante Reise ins Psychologische, gerne auch ins Interkulturelle zu sein. Es gibt Popstars, die können keine Interviews geben, etwa Lana Del Rey, deren wenige bestehende Interviews nur selten stimmig wirken, dafür ihre Unsicherheit in Interviews zum Thema haben, sich nichtssagend, konstruiert, kraftlos einsilbig bis katastrophal lesen oder wohl nicht das wurden, was die Künstlerin sich davon erhoffte. Andere lassen Reporter*innenfragen über sich ergehen und schlagen sich solide. Dann gibt es solche, die Interviews als Plattform für Politik ausreizen und ihrerseits Fragen aufwerfen. Und dann gibt es diejenigen, die man selten findet und die ein Geschenk für Musikjournalist*innen sind: Künstler*innen wie Soaky, die von Anfang ihrer Karriere an gerne auf die Fragen eingehen und sich selbst reflektieren, Lust auf die Konversation zeigen und erkennbar froh über eine Alternative zu Social Media-Posts sind.

Auf die Frage nach der Rolle der App-Netzwerke sagt Soaky im Gespräch mit dem Fomoblog, man müsse da zwei Maßstäbe anlegen. Zum einen, wie extrem wichtig Social Media fürs eigene Vorankommen seien. Zum anderen, wie wichtig sie dafür sind, der Gesundheit zu schaden. „Manchmal viel zu toxisch“, so erlebt sie die Interaktion mit Fans über die einschlägigen Plattformen. Dies überrascht, betrachtet man, wie extravertiert und bild-bewusst sie in ihren Videos und auf Pressefotos wirkt.

Für Soaky Sirens Musik sind Bewegung, Fashion und Style entscheidende Merkmale. Auch ihre karibische Latina-Identität und die Tatsache, dass sie im Showgeschäft Geld verdienen will, darf man zu den Punkten zählen, die Soaky bis dato ausmachen. Gespannt auf weiteren Output von ihr, verlinke ich hier noch die bisher einzige EP mit ihr als Artist. Am Mic ist sie aber noch viel öfter aktiv, wenn sie als Auftragssängerin Voice-Files aufnimmt. Und ganz strikt anordnet: Bezahlung gegen vollständige Vorkasse. Vorher bleibt sie stumm. Sympathisch selbstbewusst!

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